Letzte Woche
Wir schlafen nicht. Sie sagt: Wasser. Ich gebe Wasser.
Ich trinke Wasser.
Sie sagt: Arm. Ich lege ihn um sie. Sie stößt mich weg, ruft: Zu eng!
Mama, ich bin unsicher, sagt sie, und: Ich weiß nicht, wie ich liegen soll.
Sie ist krank, es ist heiß. Sie ist heiß.
Ich gebe mich ihr hin. Sie nimmt meinen Schlaf.
Wir können nicht schlafen.
Ich stille sie noch, aber nicht nachts. Sie hat sich dran gewöhnt.
Sobald die Sonne sich ins Zimmer schiebt, flüstert sie: Ich will stillen.
Ich gebe ihr, sie nimmt.
Eine Woche sind wir schon zu Hause.
Ich versuche zwischendurch zu verschwinden, um mich zu erhalten:
In der Küche aktualisiere ich Mails auf dem Handy, höre eine Sprachnachricht ab.
Mama, was machst du?
Ich räume die Spülmaschine aus, sage ich. Leise spreche ich in mein Handy.
Wen rufst du an? fragt sie.
Ertappt, denke ich, und sage, dass ich eine Nachricht beantworte, weil das ganz wichtig ist.
Nein. Bleib bei mir.
Ich komme zu ihr zurück.
Sie nimmt mich ein.
Ich öffne meinen Laptop. Will ganz kurz was schreiben, eine Mail, einen Satz, zwei Sätze. Höchstens drei.
Sie sagt: Nicht meinen Buchstaben! Ich nehme nicht deinen Buchstaben, ihr Name beginnt mit Y. Ich nehme ihren Buchstaben nicht.
Sie sagt: Ich will meinen Namen schreiben. Sie klettert auf meinen Schoß.
Ihre Finger nehmen sich alle Zeichen.
Schoß, Arm, Hand, mein Körper, ihr Körper. Wir zwei. Eins.
Jemand kommt dazu.
Ich will bei Mama sein, sagt sie.
Ihre Worte binden eine Schleife um unsere Körper.
Wenn ich gehe, will ich bei ihr sein.
Ich habe meine zweijährige Tochter letzte Woche Zuhause betreut. Irgendwo im Dazwischen entstand dieser Text, der jetzt meinen ersten Newsletter füllt.
Ich habe viele Texte hierfür begonnen. Verworfen und wieder aufgenommen.
Dieser fühlt sich richtig an.
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